Wie funktioniert dieses Tool?
- Saldo und Sollzins eintragen. Beides steht auf der Kreditkartenabrechnung, der Zinssatz oft als „Sollzins für Teilzahlung“ oder „Teilzahlungszins“.
- Rückzahlungsart wählen. Die Mindestrate ist der Standard bei Revolving-Karten und wird als Prozentsatz des jeweils offenen Saldos berechnet.
- Vergleichsrate setzen. Darunter siehst du, was dieselbe Schuld mit einem konstanten Betrag kostet — meist der wirkungsvollste Hebel.
- Ergebnis lesen. Entscheidend ist nicht die Rate, sondern die Summe der Zinsen über die gesamte Laufzeit.
Expertenwissen: Revolving-Kredit
Warum die Mindestrate eine Falle mit System ist
Der entscheidende Konstruktionsfehler steckt im Wort „Prozentsatz“. Die Mindestrate wird nicht als fester Betrag, sondern als Anteil des jeweils offenen Saldos berechnet — typischerweise 2 bis 5 %, mindestens jedoch ein kleiner Sockelbetrag.
Damit sinkt die Rate mit jedem Monat, in dem der Saldo kleiner wird. Und weil der Zinsanteil zunächst hoch ist, bleibt vom ohnehin schrumpfenden Betrag immer weniger zur Tilgung übrig. Das Ergebnis ist eine Kurve, die sich der Null annähert, ohne sie zu erreichen — bis der Mindestbetrag greift und die Sache endlich beendet.
Der kritische Punkt: Liegt der Prozentsatz der Mindestrate unterhalb des monatlichen Zinssatzes, wächst der Saldo trotz Zahlung. Bei 19,9 % Jahreszins sind das rund 1,66 % monatlich — eine Mindestrate von 1 % würde die Schuld also nie tilgen, sondern vergrößern.
Die feste Rate ist der ganze Trick
Wer statt der prozentualen Mindestrate einen konstanten Betrag zahlt, dreht die Mechanik um: Der Zinsanteil sinkt jeden Monat, der Tilgungsanteil steigt entsprechend. Aus einer Rückzahlung über Jahrzehnte wird eine über wenige Jahre — bei oft nur geringfügig höherer Anfangsbelastung.
Genau deshalb steht die Vergleichsrechnung in diesem Tool direkt neben dem Ergebnis. Der Unterschied ist selten ein paar hundert Euro; er liegt bei typischen Salden regelmäßig im vierstelligen Bereich.
Was eine Kreditkarte sonst noch kostet
- Bargeldabhebung: meist 3–4 % Gebühr, mindestens ein Festbetrag — und bei vielen Karten keine zinsfreie Zeit. Die Verzinsung beginnt am Tag der Abhebung.
- Fremdwährungsentgelt: häufig 1,5–2 % auf Umsätze außerhalb des Euroraums.
- Verzugszinsen bei verspäteter Zahlung, zusätzlich zum ohnehin hohen Sollzins.
- Jahresgebühr, die auch dann läuft, wenn die Karte nicht genutzt wird.
- Der Verlust der zinsfreien Zeit: Wer einmal im Teilzahlungsmodus ist, verliert bei vielen Karten die zinsfreie Frist auch für neue Umsätze. Ab dann wird jeder Einkauf ab dem ersten Tag verzinst.
Wann sich eine Umschuldung rechnet
Ein Revolving-Saldo gehört zu den teuersten Krediten im Privatbereich. Wird er durch ein Darlehen mit deutlich niedrigerem Zins abgelöst, sinkt die Zinslast unmittelbar — bei sonst gleicher Rate verkürzt sich zusätzlich die Laufzeit.
Eine Bedingung entscheidet über Erfolg oder Misserfolg: Die Karte darf danach nicht erneut belastet werden. Wer umschuldet und den frei gewordenen Kartenrahmen wieder nutzt, hat am Ende zwei Kredite statt einem — das ist der häufigste Weg, aus einem lösbaren ein unlösbares Problem zu machen. Praktisch heißt das: Teilzahlungsfunktion kündigen oder den Kartenrahmen herabsetzen lassen, bevor das neue Darlehen ausgezahlt wird.
Und der Fall, in dem eine Umschuldung nicht hilft: wenn die monatlichen Ausgaben dauerhaft über den Einnahmen liegen. Dann verschiebt sie das Problem nur. Hier führt der Weg über eine Schuldnerberatung, nicht über einen weiteren Kredit.
Drei Praxisfälle
Fall 1 – 3.000 € bei 19,9 % und 3 % Mindestrate. Die erste Rate beträgt 90 €, davon sind rund 50 € Zinsen. Getilgt werden also nur etwa 40 €. Mit jedem Monat sinkt die Rate, und die Rückzahlung zieht sich über rund zwölf Jahre. Die Zinssumme liegt dabei über der ursprünglichen Schuld: Für 3.000 € Saldo werden gut 6.000 € zurückgezahlt.
Fall 2 – dieselbe Schuld mit 150 € fester Rate. Die Anfangsbelastung ist um 60 € höher, die Laufzeit fällt auf zwei Jahre und einen Monat, und die Zinssumme sinkt von gut 3.000 € auf unter 700 €. Das ist die Rechnung, die dieses Tool rechts neben dem Ergebnis ausweist.
Fall 3 – der Rahmen wird weiter genutzt. Wer monatlich 150 € zahlt, aber 150 € neu über die Karte ausgibt, tilgt exakt nichts — zahlt aber weiter Zinsen auf den vollen Saldo. Dieser Fall lässt sich mit keinem Rechner lösen, sondern nur durch Trennung von Karte und Alltagsausgaben.
Typische Fehler
- Die Mindestrate für ausreichend halten. Sie ist so konstruiert, dass der Saldo möglichst lange bestehen bleibt.
- Nur auf die Ratenhöhe schauen. Entscheidend ist die Zinssumme über die Laufzeit.
- Bargeld über die Kreditkarte ziehen. Gebühr plus sofortige Verzinsung — die teuerste gängige Kreditform.
- Nach der Umschuldung weiter mit der Karte zahlen. Führt zu zwei Krediten statt einem.
- Die Teilzahlungsfunktion nicht abschalten. Sie ist bei vielen Karten voreingestellt und muss aktiv gekündigt werden.
- Zu lange warten. Solange die Raten bedient werden, sind die Handlungsspielräume am größten.
Häufige Fragen
Warum dauert die Rückzahlung mit der Mindestrate so lange?
Weil die Mindestrate meist als Prozentsatz des jeweils offenen Saldos berechnet wird. Sinkt der Saldo, sinkt auch die Rate — und damit der Tilgungsanteil. Am Anfang geht ein großer Teil der Zahlung für Zinsen drauf, gegen Ende zahlt man nur noch winzige Beträge. Diese Konstruktion sorgt dafür, dass sich die Restschuld immer langsamer abbaut und die Rückzahlung viele Jahre in Anspruch nimmt.
Was ist Revolving Credit?
Beim Revolving-Kredit wird die Kreditkartenabrechnung nicht vollständig ausgeglichen, sondern nur teilweise. Der Rest wird als Kredit weitergeführt und verzinst, während die Karte weiter nutzbar bleibt. Der Zinssatz liegt typischerweise deutlich über dem eines Ratenkredits. Da neue Umsätze den Saldo laufend erhöhen können, entsteht ein Dauerkredit, der praktisch nie endet.
Lohnt sich eine Umschuldung des Kreditkartensaldos?
Wenn der neue Zinssatz deutlich niedriger ist, in aller Regel ja. Ein Revolving-Saldo wird häufig mit 18 bis 22 Prozent verzinst, ein Ratenkredit oft mit einstelligen Sätzen. Entscheidend ist aber, dass die Kreditkarte danach nicht erneut belastet wird. Wer umschuldet und den Kartenrahmen weiter nutzt, hat am Ende zwei Kredite statt einem.
Was kostet eine Bargeldabhebung mit der Kreditkarte?
Bargeldabhebungen sind meist doppelt teuer. Zum einen fällt häufig eine Gebühr von etwa 3 bis 4 Prozent des Betrags an, mindestens jedoch ein Festbetrag. Zum anderen greift bei vielen Karten für Bargeld keine zinsfreie Zeit: Die Verzinsung beginnt sofort am Tag der Abhebung, nicht erst mit der nächsten Abrechnung. Deshalb ist Bargeld über die Kreditkarte die teuerste gängige Form der Kreditaufnahme.
Was sollte ich tun, wenn die Rate nicht mehr tragbar ist?
Zuerst prüfen, ob die Zinslast durch Umschuldung auf ein günstigeres Darlehen sinkt. Reicht das nicht, hilft eine anerkannte Schuldnerberatung weiter, die in Deutschland kostenlos ist und von Wohlfahrtsverbänden und Kommunen angeboten wird. Von kostenpflichtigen Angeboten mit Versprechen wie sofortiger Schuldenfreiheit ist abzuraten. Wichtig ist, früh zu handeln, solange die Zahlungen noch bedient werden.
Weitere nützliche Tools
- Tilgungsrechner – Tilgungsplan für einen Ratenkredit
- Notgroschen-Rechner – der Puffer, der den Dispo ersetzt
- Skonto-Rechner – Effektivzins kurzfristiger Kredite
- Zinseszins-Rechner
- Prozentrechner