Wie funktioniert dieses Tool?
- Fixkosten eintragen. Gemeint ist nur, was im Notfall weiterläuft. Ein Blick auf den letzten Kontoauszug ist genauer als jede Schätzung.
- Beschäftigungsart wählen. Sie bestimmt, wie lange es dauern kann, bis wieder Geld hereinkommt — der wichtigste Einflussfaktor.
- Haushalt angeben. Unterhaltspflichten und ein Alleinverdiener-Haushalt erhöhen den Bedarf, ein zweites Einkommen dämpft ihn.
- Vorhandene Rücklage und Sparrate ergänzen. Daraus ergibt sich, wie lange der Aufbau noch dauert.
- Herleitung lesen. Rechts steht jede einzelne Regel, die zur empfohlenen Monatsanzahl geführt hat. Wenn eine davon auf dich nicht zutrifft, kannst du das Ergebnis begründet anpassen.
Expertenwissen: der Notgroschen
Fixkosten statt Nettogehalt — und warum das den Unterschied macht
Die meisten Ratgeber rechnen den Notgroschen aus dem Nettoeinkommen. Das ist zu grob. Im Notfall muss nicht das Einkommen ersetzt werden, sondern nur die Ausgaben, die weiterlaufen. Wer 3.200 Euro netto verdient, aber 2.200 Euro Fixkosten hat, braucht bei sechs Monaten 13.200 Euro statt 19.200 Euro — ein Unterschied von 6.000 Euro.
Diese überhöhte Zielzahl ist ein realer Grund, warum viele mit dem Aufbau gar nicht erst anfangen: Sie wirkt unerreichbar. Der Fixkostenansatz liefert ein Ziel, das erstens stimmt und zweitens erreichbar aussieht.
Die Regeln hinter der Monatsanzahl
Dieser Rechner arbeitet mit einer offengelegten Heuristik statt mit einer Faustregel. Ausgangspunkt sind drei Monate, dann wird nach Risikolage angepasst:
| Situation | Anpassung | Begründung |
|---|---|---|
| Basis | 3 | Übliche Dauer einer Stellensuche bei gefragter Qualifikation |
| Verbeamtet | −1 | Praktisch unkündbar, Einkommen läuft weiter |
| Probezeit | +2 | Zwei Wochen Kündigungsfrist, kein Kündigungsschutz |
| Befristet | +2 | Planbares Vertragsende ohne Anschlusszusage |
| Selbstständig | +3 | Kein Arbeitslosengeld, kein Kurzarbeitergeld, schwankende Zahlungseingänge |
| Unterhaltspflichten | +1 | Weniger Spielraum, Kosten kaum kurzfristig senkbar |
| Alleinverdiener mit Abhängigen | +1 | Kein zweites Einkommen, das den Ausfall abfedert |
| Laufende Kreditraten | +1 | Raten laufen weiter und lassen sich nicht pausieren |
Das Ergebnis wird auf mindestens zwei und höchstens zwölf Monate begrenzt. Die Regeln sind eine begründete Konvention, keine gesetzliche Vorgabe — deshalb steht die Herleitung sichtbar neben dem Ergebnis, statt in einer Blackbox zu verschwinden.
Wo das Geld liegen sollte
Drei Anforderungen, in dieser Reihenfolge: täglich verfügbar, ohne Kursrisiko, getrennt vom Alltagskonto. Ein Tagesgeldkonto erfüllt alle drei. Ein zweites Girokonto ohne Karte tut es zur Not auch.
Ungeeignet sind Aktien und ETFs, und zwar nicht wegen der Schwankung an sich, sondern wegen der Gleichzeitigkeit: Wirtschaftliche Krisen treffen Arbeitsmärkte und Aktienkurse zusammen. Wer im Notfall verkaufen muss, verkauft mit hoher Wahrscheinlichkeit im Tief. Auch Festgeld mit langer Laufzeit scheidet aus — die höhere Verzinsung nützt nichts, wenn das Geld gebunden ist.
Die Trennung vom Alltagskonto ist kein Detail: Geld, das im Girokonto-Saldo mitschwimmt, wird unbemerkt ausgegeben. Ein separates Konto macht den Bestand sichtbar und die Entnahme zu einer bewussten Entscheidung.
Drei Praxisfälle
Fall 1 – Berufseinsteiger in der Probezeit. 1.400 Euro Fixkosten, keine Abhängigen. Basis 3 plus 2 für die Probezeit ergibt 5 Monate, also 7.000 Euro. Das wirkt viel für den Anfang — sinnvoll ist deshalb ein Zwischenziel von zwei Monatsausgaben, das mit kleiner Sparrate in überschaubarer Zeit erreichbar ist.
Fall 2 – Selbstständige Familie mit einem Einkommen. 2.600 Euro Fixkosten, ein Kind, Alleinverdiener, laufender Autokredit. Basis 3 plus 3 plus 1 plus 1 plus 1 ergibt 9 Monate, also 23.400 Euro. Eine große Summe — aber bei Selbstständigkeit ohne zweites Einkommen ist sie realistisch, weil Auftragsflauten und verspätete Zahlungseingänge zum Normalfall gehören.
Fall 3 – Doppelverdiener, beide unbefristet. 2.400 Euro Fixkosten, keine Kinder, keine Kredite. Bleibt bei der Basis von 3 Monaten, also 7.200 Euro. Wer darüber hinaus spart, betreibt keine Notfallvorsorge mehr, sondern lässt Geld auf dem Tagesgeldkonto liegen, das langfristig besser investiert wäre.
Typische Fehler
- Den Dispo als Puffer betrachten. Ein Kredit ist kein Guthaben, und die Bank kann ihn kürzen — meist genau dann, wenn es eng wird.
- Den Notgroschen investieren. Die Rendite ist nicht der Zweck. Verfügbarkeit ist der Zweck.
- Ihn auf dem Girokonto liegen lassen. Was sichtbar verfügbar ist, wird ausgegeben.
- Ihn nach der ersten Entnahme nicht wieder auffüllen. Der Notgroschen ist ein Bestand, kein einmaliges Projekt.
- Ihn zu groß planen und deshalb gar nicht anfangen. Zwei Monatsausgaben sind unendlich viel besser als null.
- Ihn nach einer Gehaltserhöhung nicht anpassen. Steigen die Fixkosten, steigt auch der nötige Puffer.
Häufige Fragen
Warum rechnet man den Notgroschen aus den Fixkosten und nicht aus dem Nettogehalt?
Weil im Notfall nicht das bisherige Einkommen ersetzt werden muss, sondern nur die Ausgaben, die weiterlaufen. Miete, Strom, Versicherungen und Kreditraten fallen weiter an, Restaurantbesuche und Urlaube nicht. Wer vom Nettogehalt ausgeht, kommt auf eine unnötig hohe Summe und schiebt das Sparen deshalb oft ganz auf. Die Fixkostenrechnung liefert den Betrag, der tatsächlich gebraucht wird.
Wie viele Monatsausgaben sollte der Notgroschen abdecken?
Die verbreitete Faustregel von drei bis sechs Monatsausgaben ist ein Ausgangspunkt, kein Ergebnis. Entscheidend ist, wie schnell das Einkommen wieder fließt. Bei einer unbefristeten Anstellung mit gefragter Qualifikation reichen drei Monate. Bei Befristung, Probezeit oder Selbstständigkeit sind fünf bis sechs Monate angemessen, weil Auftrags- oder Stellensuche länger dauert und es kein Kurzarbeitergeld gibt. Kinder und ein Alleinverdiener-Haushalt erhöhen den Bedarf zusätzlich.
Wo sollte der Notgroschen liegen?
Auf einem Tagesgeldkonto oder einem separaten Girokonto — also täglich verfügbar, ohne Kursrisiko und getrennt vom Alltagskonto. Aktien, ETFs oder Festgeld mit langer Laufzeit sind ungeeignet: Ein Notfall tritt häufig genau dann ein, wenn die Kurse niedrig sind, und dann müsste mit Verlust verkauft werden. Die etwas niedrigere Rendite ist der Preis für die Verfügbarkeit und damit Teil des Zwecks.
Sollte ich erst Schulden tilgen oder erst den Notgroschen aufbauen?
In der Regel zuerst einen kleinen Notgroschen von ein bis zwei Monatsausgaben aufbauen, dann teure Schulden wie Dispo- oder Ratenkredite tilgen, und erst danach den Notgroschen auf die volle Höhe bringen. Der Grund ist praktisch: Ohne jede Rücklage führt die nächste kaputte Waschmaschine zurück in den Dispo, und der Tilgungsfortschritt ist wieder verloren.
Zählt der Dispositionskredit als Notgroschen?
Nein. Ein Dispo ist kein Guthaben, sondern ein Kredit mit typischerweise zweistelligem Zinssatz, den die Bank zudem jederzeit kürzen oder kündigen kann — erfahrungsgemäß gerade dann, wenn sich die finanzielle Lage verschlechtert. Ein Notgroschen muss eigenes Geld sein, über das niemand anders entscheiden kann.
Weitere nützliche Tools
- Stundensatz-Rechner – Rücklagen in die Kalkulation einbauen
- Zinseszins-Rechner – für alles jenseits des Notgroschens
- Kreditkarten-Zinsrechner – was Revolving wirklich kostet
- Inflationsrechner – Kaufkraft der Rücklage über die Zeit
- Stromkosten-Rechner – Fixkosten senken statt Puffer erhöhen
- Prozentrechner