Wie funktioniert dieses Tool?
- Startkapital und Sparrate eintragen. Beides kann null sein — der Rechner arbeitet mit Einmalanlage, reinem Sparplan oder beidem.
- Laufzeit und Renditeannahme setzen. Die Rendite ist eine Annahme, keine Zusage. Sinnvoll ist, mehrere Werte durchzuspielen.
- Optional die Rate dynamisieren. Eine jährliche Erhöhung um zwei bis drei Prozent hält den Sparplan gegenüber der Inflation stabil.
- Kosten, Steuer und Inflation aktiviert lassen. Erst damit zeigt das Ergebnis, was tatsächlich zur Verfügung steht.
- Verlauf lesen. Die Tabelle stellt Einzahlungen und Kapital gegenüber — der Punkt, an dem die Erträge die Einzahlungen überholen, ist die eigentliche Aussage.
Expertenwissen: Zinseszins, Kosten und Kaufkraft
Warum der Effekt spät kommt
Zinseszins entsteht dadurch, dass Erträge selbst Erträge erwirtschaften. Das Kapital wächst deshalb nicht linear, sondern exponentiell:
Der Monatszins wird bewusst geometrisch aus der Jahresrendite abgeleitet und nicht einfach durch zwölf geteilt. Die Division überschätzt das Ergebnis, weil sie die unterjährige Verzinsung doppelt zählt.
Entscheidend ist die Zeit, nicht die Höhe der Rate. In den ersten Jahren sieht ein Sparplan wie ein Sparbuch aus — die Einzahlungen dominieren. Der Punkt, an dem die Erträge die Einzahlungen überholen, liegt bei mittleren Renditeannahmen typischerweise jenseits des fünfzehnten Jahres. Wer nach fünf Jahren enttäuscht abbricht, verzichtet auf genau den Teil, um den es geht.
Kosten wirken mit demselben Hebel — nur andersherum
Die laufende Kostenquote eines Fonds (Total Expense Ratio, TER) wird jedes Jahr auf das gesamte angelegte Vermögen berechnet, nicht auf die Einzahlung. Damit unterliegt sie demselben Zinseszinseffekt wie die Rendite, wirkt aber dagegen.
Der Rechner zieht die TER deshalb von der Renditeannahme ab, bevor gerechnet wird. Stell den Wert einmal von 0,20 % auf 1,50 % — der Unterschied im Endkapital ist über dreißig Jahre erheblich und liegt in einer Größenordnung, die bei der Produktauswahl kaum jemand erwartet. Genau deshalb ist die TER bei ansonsten vergleichbaren Produkten das wichtigste Auswahlkriterium.
Nicht in der TER enthalten sind Transaktionskosten des Fonds, Ordergebühren des Brokers und mögliche Ausgabeaufschläge. Bei kleinen Sparraten können Ordergebühren die TER sogar übersteigen — ein Sparplan über 25 € mit 1,50 € Gebühr kostet effektiv 6 % je Ausführung.
Nominal ist nicht real
Über dreißig Jahre halbiert eine Inflation von 2 % die Kaufkraft nahezu. Ein nominales Endkapital von 300.000 € entspricht dann rund 165.000 € in heutigem Geld. Diese Differenz ist keine Nebensächlichkeit, sondern der Unterschied zwischen einer Planung und einer Illusion.
Der Rechner weist die reale Kaufkraft deshalb gleichberechtigt neben dem nominalen Wert aus. Ein häufiger Denkfehler in die Gegenrichtung: Wer die Sparrate über Jahrzehnte konstant lässt, spart real jedes Jahr weniger. Die Dynamik im Formular gleicht genau das aus.
Die Steuer — und was dieser Rechner bewusst nicht abbildet
Auf Kapitalerträge fallen 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag an, bei Kirchensteuerpflicht entsprechend mehr. Zwei Erleichterungen mindern das: der Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Jahr (nur mit erteiltem Freistellungsauftrag) und bei Aktienfonds die Teilfreistellung von 30 % der Erträge.
Offen gesagt, was hier vereinfacht ist: Der Rechner ermittelt die Steuer auf den Gesamtgewinn am Laufzeitende. Die Vorabpauschale nach § 18 InvStG, die bei thesaurierenden Fonds schon während der Laufzeit jährlich eine kleine Steuer auslöst, ist nicht modelliert. Sie verschiebt Steuerzahlungen nach vorn und mindert damit den Zinseszinseffekt leicht; sie wird beim Verkauf aber angerechnet, sodass die Gesamtsteuer ähnlich ausfällt. Für eine Überschlagsrechnung ist die Vereinfachung vertretbar — für eine steuerliche Planung nicht.
Drei Praxisfälle
Fall 1 – zehn Jahre früher anfangen. Wer mit 25 statt mit 35 beginnt, zahlt bei gleicher Rate zwar mehr ein, hat am Ende aber überproportional mehr — weil die ersten Einzahlungen am längsten arbeiten. Der Vergleich zweier Laufzeiten in diesem Rechner macht den Unterschied unmittelbar sichtbar.
Fall 2 – TER 0,20 % gegen 1,50 %. Bei identischer Bruttorendite bleibt beim teureren Produkt über dreißig Jahre ein deutlich kleineres Endkapital. Die Differenz entspricht bei typischen Sparraten mehreren Jahresgehältern — für eine Entscheidung, die einmal getroffen wird.
Fall 3 – Rendite ehrlich variieren. Rechne denselben Sparplan mit 3 %, 5 % und 7 %. Die Spanne der Ergebnisse ist die eigentliche Information: Sie zeigt, wie stark die Planung von einer Annahme abhängt, die niemand kennt. Eine Altersvorsorge sollte auch im pessimistischen Szenario tragen.
Typische Fehler
- Nur nominal rechnen. Über lange Zeiträume entsteht so eine erhebliche Illusion.
- Kosten ignorieren. Sie wirken mit demselben Hebel wie die Rendite, nur dagegen.
- Die Jahresrendite durch zwölf teilen. Überschätzt das Ergebnis systematisch.
- Eine einzige Renditeannahme zur Planungsgrundlage machen. Szenarien statt Punktwert.
- Die Sparrate nie erhöhen. Real sinkt sie damit jedes Jahr.
- Ordergebühren bei kleinen Raten übersehen. Sie können die TER deutlich übersteigen.
- Notgroschen und Anlage vermischen. Wer im Tief verkaufen muss, verliert den ganzen Effekt.
Häufige Fragen
Was ist der Zinseszinseffekt?
Zinseszins entsteht, wenn Erträge nicht entnommen, sondern wieder angelegt werden und damit selbst Erträge erwirtschaften. Dadurch wächst das Kapital nicht linear, sondern exponentiell. Der Effekt ist am Anfang kaum sichtbar und entfaltet sich erst über lange Zeiträume: Bei einem Sparplan über dreißig Jahre stammt der größere Teil des Endkapitals typischerweise nicht aus den Einzahlungen, sondern aus den Erträgen auf bereits erwirtschaftete Erträge.
Wie stark wirken sich Fondskosten aus?
Deutlich stärker als die kleine Prozentzahl vermuten lässt, weil die Kosten jedes Jahr auf das gesamte angelegte Kapital anfallen und damit denselben Zinseszinseffekt auslösen wie die Rendite, nur in die Gegenrichtung. Ein Unterschied von 0,5 Prozentpunkten in der laufenden Kostenquote kostet über dreißig Jahre einen erheblichen Teil des Endkapitals. Die TER ist deshalb bei ansonsten vergleichbaren Produkten das wichtigste Auswahlkriterium.
Was bedeutet reale Rendite?
Die reale Rendite ist die Rendite nach Abzug der Inflation, also der tatsächliche Zuwachs an Kaufkraft. Bei sechs Prozent nominaler Rendite und zwei Prozent Inflation beträgt sie rund vier Prozent. Für die Frage, was man sich später leisten kann, ist ausschließlich der reale Wert aussagekräftig. Rechner, die nur das nominale Endkapital zeigen, erzeugen über lange Zeiträume eine erhebliche Illusion.
Wie werden Erträge aus Fonds besteuert?
Auf Kapitalerträge fällt Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag an, bei Kirchensteuerpflicht entsprechend mehr. Bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags bleiben Erträge steuerfrei, sofern ein Freistellungsauftrag erteilt wurde. Bei Aktienfonds mindert zusätzlich eine Teilfreistellung von 30 Prozent die steuerpflichtigen Erträge. Dieser Rechner ermittelt die Steuer auf den Gesamtgewinn am Laufzeitende.
Welche Rendite sollte ich annehmen?
Eine seriöse Antwort darauf gibt es nicht, weil künftige Renditen unbekannt sind. Historische Durchschnitte breit gestreuter Aktienmärkte liegen langfristig im mittleren einstelligen Bereich, schwanken aber über einzelne Jahrzehnte erheblich. Sinnvoll ist deshalb, mehrere Szenarien durchzurechnen statt eines einzigen Wertes, und die Planung nicht auf das optimistischste davon zu stützen.
Weitere nützliche Tools
- Notgroschen-Rechner – der Puffer, der vor dem Sparplan kommt
- Inflationsrechner – Kaufkraft über die Zeit
- Tilgungsrechner – tilgen oder anlegen?
- Kreditkarten-Zinsrechner – teure Schulden schlagen jede Rendite
- Prozentrechner