Wie funktioniert dieses Tool?
- Modus wählen. Kaufkraft vergleicht zwei Jahre, Gehaltsvergleich prüft eine Erhöhung real, Prognose rechnet in die Zukunft.
- Betrag und Jahre eingeben. Die Indexwerte stammen aus dem amtlichen Verbraucherpreisindex und sind unter dem Formular vollständig einsehbar.
- Im Gehaltsmodus das heutige Gehalt ergänzen. Der Rechner zeigt dann, welches Gehalt für unveränderte Kaufkraft nötig wäre.
- In der Prognose eine Verzinsung eintragen. Erst der Vergleich von Zins und Inflation zeigt, ob Guthaben real wächst oder schrumpft.
Expertenwissen: Inflation und Kaufkraft
Wie gerechnet wird
Der Durchschnitt pro Jahr wird bewusst als geometrisches Mittel berechnet. Das arithmetische Mittel der Jahresraten überschätzt die tatsächliche Teuerung, weil sich Preissteigerungen multiplizieren und nicht addieren.
Bemerkenswert ist die Asymmetrie zwischen Teuerung und Kaufkraftverlust: Steigen die Preise um 25 %, sinkt die Kaufkraft nicht um 25 %, sondern um 20 %. Beide Zahlen beschreiben denselben Vorgang aus unterschiedlicher Richtung — der Rechner weist deshalb beide aus.
Was der Warenkorb misst — und was nicht
Das Statistische Bundesamt erhebt monatlich die Preise eines Warenkorbs, der den Verbrauch privater Haushalte im Durchschnitt abbildet. Jede Position ist mit ihrem Anteil an den Gesamtausgaben gewichtet: Wohnen und Energie machen den größten Block aus, Nahrungsmittel und Verkehr folgen.
Daraus folgt der wichtigste Vorbehalt: Der Durchschnittshaushalt existiert nicht. Wer einen überdurchschnittlichen Anteil für Miete und Energie ausgibt, erlebt in Phasen steigender Energiepreise eine deutlich höhere persönliche Teuerung als die amtliche Rate. Wer im Wohneigentum lebt und wenig pendelt, kann darunter liegen. Die offizielle Zahl ist ein Mittelwert, kein individuelles Ergebnis — und genau daher rührt das verbreitete Gefühl, die Inflation sei höher als gemeldet.
Hinzu kommt ein Wahrnehmungseffekt: Häufig gekaufte Güter wie Lebensmittel und Kraftstoff prägen das Preisempfinden weit stärker als selten gekaufte, obwohl Letztere im Warenkorb erheblich gewichtet sind.
Der Gehaltsmodus: nominal ist nicht real
Eine Gehaltserhöhung ist erst dann eine, wenn sie über der Inflation liegt. Zwei Prozent mehr bei drei Prozent Teuerung bedeuten real ein Prozent weniger. Der Gehaltsmodus rechnet deshalb zwei Zahlen aus: welches Gehalt heute nötig wäre, um die Kaufkraft von damals zu halten, und wie groß die Lücke zum tatsächlichen Gehalt ist.
Für Tarifrunden und Gehaltsgespräche ist das die entscheidende Größe. Eine Erhöhung „um die Inflationsrate“ ist keine Erhöhung, sondern der Erhalt des Status quo — real bleibt genau nichts übrig.
Der Realzins entscheidet über Guthaben
Für Erspartes zählt nicht der Zinssatz, sondern die Differenz aus Zins und Inflation. Liegt sie im Minus, schrumpft die Kaufkraft trotz Zinsgutschrift. Bei 2 % Inflation und 0 % Zinsen verliert Guthaben über zehn Jahre rund 18 % seines Werts — ohne dass sich der Kontostand ändert.
Der Prognosemodus stellt beides gegenüber. Wichtig dabei: Auf Zinserträge fällt Abgeltungsteuer an, der reale Zins ist also noch etwas niedriger als die reine Differenz. Und die Annahme über künftige Inflation ist eine Annahme — auch wenn Notenbanken ein Ziel von rund 2 % verfolgen, lagen die tatsächlichen Raten 2022 und 2023 weit darüber.
Drei Praxisfälle
Fall 1 – die Tarifrunde. Wer seit 2020 dasselbe Gehalt bezieht, hat real deutlich verloren, weil die Jahre 2022 und 2023 außergewöhnlich hohe Raten brachten. Der Gehaltsmodus beziffert die Lücke — und liefert damit ein Argument, das nicht auf Gefühl beruht.
Fall 2 – Tagesgeld gegen Inflation. 20.000 € auf einem unverzinsten Konto verlieren bei 2 % Inflation über zehn Jahre rund 3.600 € Kaufkraft. Der Betrag auf dem Auszug bleibt unverändert — der Verlust ist unsichtbar und genau deshalb so wirksam.
Fall 3 – langfristige Planung. Für Sparziele, die zwanzig Jahre entfernt liegen, ist der nominale Betrag ohne Aussagekraft. Wer 300.000 € für später plant, sollte wissen, was davon in heutigem Geld übrig bleibt — der Zinseszins-Rechner weist diesen realen Wert deshalb ebenfalls aus.
Typische Fehler
- Jahresraten addieren. Preissteigerungen multiplizieren sich; das arithmetische Mittel überschätzt.
- Teuerung mit Kaufkraftverlust gleichsetzen. 25 % Teuerung sind 20 % Kaufkraftverlust.
- Die amtliche Rate als persönliche Teuerung nehmen. Der Warenkorb bildet einen Durchschnitt ab.
- Nominale Gehaltserhöhungen als Fortschritt verbuchen, ohne die Inflation gegenzurechnen.
- Den Zinssatz statt des Realzinses betrachten. Entscheidend ist die Differenz.
- Prognosen für Vorhersagen halten. 2021 hätte kaum jemand die Raten von 2022 angesetzt.
Häufige Fragen
Wie wird die Inflation in Deutschland gemessen?
Das Statistische Bundesamt erhebt monatlich die Preise eines festgelegten Warenkorbs, der den typischen Verbrauch privater Haushalte abbildet. Daraus entsteht der Verbraucherpreisindex. Die Inflationsrate ist die prozentuale Veränderung dieses Index gegenüber dem Vorjahresmonat oder im Jahresdurchschnitt. Der Warenkorb wird regelmäßig an verändertes Konsumverhalten angepasst und alle paar Jahre auf ein neues Basisjahr umgestellt.
Warum fühlt sich Inflation höher an als die offizielle Rate?
Weil der Warenkorb einen Durchschnittshaushalt abbildet, den es so nicht gibt. Die persönliche Teuerung hängt davon ab, wofür man tatsächlich Geld ausgibt. Wer einen hohen Anteil für Miete, Energie und Lebensmittel aufwendet, erlebt in Phasen steigender Energiepreise eine deutlich höhere Teuerung als der Durchschnitt. Hinzu kommt, dass häufig gekaufte Güter wie Lebensmittel stärker wahrgenommen werden als selten gekaufte.
Wie viel Gehaltserhöhung brauche ich für gleiche Kaufkraft?
Genau so viel, wie die Inflation im selben Zeitraum betragen hat. Eine Erhöhung um zwei Prozent bei drei Prozent Inflation bedeutet einen realen Verlust von rund einem Prozent. Der Gehaltsmodus dieses Rechners weist deshalb aus, welches Gehalt für unveränderte Kaufkraft nötig wäre und wie groß die Differenz zum tatsächlichen Gehalt ausfällt.
Was bedeutet Basisjahr beim Verbraucherpreisindex?
Das Basisjahr ist das Jahr, dessen Indexwert auf 100 gesetzt wird. Alle anderen Werte beziehen sich darauf. Das Basisjahr sagt nichts über die Höhe der Inflation aus, es dient nur als Bezugspunkt. Wird auf ein neues Basisjahr umgestellt, ändern sich alle Indexwerte, die daraus berechneten Veränderungsraten zwischen zwei Jahren bleiben aber praktisch gleich.
Warum verliert Guthaben auf dem Konto an Wert?
Weil der Betrag nominal gleich bleibt, während die Preise steigen. Liegt der Zinssatz unter der Inflationsrate, sinkt die Kaufkraft trotz Zinsen — man spricht dann von negativem Realzins. Bei zwei Prozent Inflation und null Prozent Zinsen verliert Guthaben über zehn Jahre rund achtzehn Prozent seiner Kaufkraft, ohne dass sich der Kontostand ändert.
Weitere nützliche Tools
- Zinseszins-Rechner – reale Kaufkraft am Laufzeitende
- Brutto-Netto-Rechner – was von der Erhöhung ankommt
- Notgroschen-Rechner
- Stromkosten-Rechner – der Posten mit der größten Teuerung
- Stundensatz-Rechner – Honorare inflationsfest halten
- Prozentrechner